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Case Study

Verkehrsleittechnik für die Schweizer Nationalstraßen

01 — Auf einen Blick

Wenn der Gotthard-Straßentunnel gesperrt wird, muss der Verkehr schon hunderte Kilometer vorher umgeleitet werden – und wer darauf zufährt, muss es rechtzeitig erfahren. Früher wurde dafür in jeder Region einzeln geschaltet und mit den Nachbarn abgestimmt. Heute läuft die Steuerung zentral, über eine Anwendung in der Verkehrsmanagementzentrale. Deren Frontend haben wir von 2022 bis 2025 in wesentlichen Teilen entwickelt und die Beiträge der übrigen Teams darin integriert.

Branche
Verkehrstechnik / Infrastruktur
Zeitraum
2022 – 2025
Rolle
Frontend Developer bis Tech Lead
Stack
React, TypeScript, Material UI
02 — Im Detail

Ein Netz, viele Systeme

Yunex Traffic, hervorgegangen aus Siemens Intelligent Traffic Systems, entwickelt weltweit Verkehrsleitsysteme, darunter auch die des Schweizer Nationalstraßennetzes. Verkehrssteuerung heißt dort: Tempolimits, gesperrte Spuren, Umleitungen – angezeigt über der Fahrbahn, sichtbar auf der Strecke.

Gesteuert wurde bisher regional: Das Netz ist in Gebietseinheiten aufgeteilt, die mit uneinheitlichen Lösungen arbeiten, und in der Verkehrsmanagementzentrale liefen dafür zahlreiche Anwendungen nebeneinander. Eine Sperrung wie die des Gotthard-Straßentunnels endet aber nicht an einer Gebietsgrenze: Sie muss hunderte Kilometer vorher beginnen, über Regionen hinweg.

Eine Sperrung dieser Größe zu schalten, heißt: Anlagen, Verkehrs- und Umweltdaten, Karten und Steuerungslogik müssen an einem Ort zusammenkommen. Was die Anwendung dort anzeigt, ist die Grundlage der nächsten Entscheidung.

Unsere Aufgabe

Von 2022 bis 2025 waren bis zu sieben Entwickelnde von uns Teil des Projektteams, das insgesamt mehr als 35 Personen umfasste. Unsere Rollen reichten vom Frontend Developer bis zum Tech Lead.

Der Schwerpunkt lag auf dem Frontend der zentralen Anwendung: React mit TypeScript und dem Yunex Design System, das auf Material UI aufsetzt und für Schaltflächen, Formulare und Meldungen eine verbindliche Form vorgibt. Im Ernstfall muss dann niemand überlegen, was eine Schaltfläche auslöst – dieselbe Handlung sieht überall gleich aus und funktioniert überall gleich.

Bedient wird über die Karte: Jede Anlage steht an einem bestimmten Punkt der Strecke, und genau dort wird sie auch ausgewählt. Zwei Bausteine kommen dabei von außen. Die Karte selbst ist ArcGIS, ein Geoinformationssystem, das Fachdaten in Ebenen übereinanderlegt. Und angemeldet wird per Single Sign-on gegen das bestehende Identitätsmanagement.

Was die Anwendung leistet

Aus den fragmentierten Lösungen ist eine Anwendung geworden, die alle regionalen Verkehrssteuerungen abdeckt und in der Verkehrsmanagementzentrale läuft. Jede Entscheidung beginnt dort mit einem Bild der Lage: Verkehrsdaten von der Strecke, Umweltdaten und flächendeckend Verkehrskameras. Die Daten sagen, dass etwas nicht stimmt. Das Kamerabild zeigt, was.

Geschaltet wird in derselben Oberfläche. Digitale Verkehrsschilder und Anzeigetafeln sind eingebunden – was hier angeordnet wird, steht anschließend auf der Strecke. Für wiederkehrende Lagen muss niemand jedes Mal neu zusammenstellen, was zu tun ist: In Verkehrsmanagementplänen sind die Maßnahmen vorbereitet, die Steuerung läuft darüber automatisiert.

Ob eine Anordnung tatsächlich ankommt, zeigt das Monitoring: Es meldet, welche Anlagen laufen – und welche nicht mehr antworten.

Eine Streckensicht zeigt einen Streckenabschnitt mit allen Anlagen, die dort stehen. Diese Sichten erzeugt die Anwendung automatisch aus den Anlagendaten des Bundesamts für Strassen (ASTRA), statt sie für jeden Abschnitt einzeln von Hand zusammenzustellen. Ändert sich etwas an der Infrastruktur, geht das einmal über die Daten und nicht durch jede betroffene Ansicht.

Wo alles zusammenlief

Yunex hat das Projekt mit Teams in Tschechien, Vietnam, Österreich, Deutschland und der Schweiz besetzt. Bei unserem Entwicklungsteam in Deutschland liefen die Beiträge im Frontend zusammen: Wir haben die Arbeiten der Teilprojekte überwacht, sie zu einer Anwendung zusammengeführt und deren Qualität gesichert.

Ein Fehler in der Oberfläche kommt Sekunden später bei jemandem an, der auf dieser Grundlage eine Sperrung schaltet. Deshalb reicht es nicht, dass jeder Beitrag für sich richtig ist: Gleiche Muster, gleiche Begriffe und gleiches Verhalten entstehen nur, wo jemand sie durchsetzt.

Ergebnis

Statt einer Lösung je Gebietseinheit gibt es heute eine zentrale Anwendung für die schweizweite Verkehrssteuerung: Karte, Anlagen, Verkehrs- und Umweltdaten, Kameras und Verkehrsmanagementpläne in derselben Oberfläche, die Streckensichten automatisch aus den ASTRA-Daten erzeugt. In Betrieb ging die Anwendung mit drei Anlagen, die übrigen kommen Etappe für Etappe dazu. Wo sie angeschlossen sind, wird gebietsübergreifend geschaltet: von Hand in der Anwendung oder über einen vorbereiteten Verkehrsmanagementplan. Die Abstimmung von Region zu Region entfällt.

In dreieinhalb Jahren ist ein Verhältnis zum Projektteam gewachsen, das die Arbeit spürbar leichter gemacht hat: kurze Wege zu den Projektleitern und ein direkter Draht in den Fachbereich. Wir haben in dem Projekt viel gelernt und gern daran gearbeitet – mit diesem Team jederzeit wieder.

03 — Weitere Referenzen
04 — Kontakt

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Große Systeme, lange Laufzeit, viele Beteiligte: Das ist der Alltag, aus dem dieses Projekt kommt. Erzähl Felix, wo Deins gerade steht — er antwortet selbst, meist noch am selben Tag.

Felix Dransfeld
felix [at] geenen-it-systeme.de

Felix DransfeldGeschäftsführer & IT-Consultant